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Atemtraditionen und Methoden

Die Buteyko-Methode

Die nach dem Wissenschaftler und Arzt Konstantin Pawlowitsch Buteiko benannte Methode beruht auf der Feststellung, dass eine tiefe Bauchatmung mit geringerem Luftvolumen eine bessere Versorgung mit Sauerstoff gewährleistet als Brustkorbatmung mit größerem Atemvolumen. Die Buteyko-Atmung konzentriert sich auf reine Nasenatmung. Die Wirksamkeit der Methode hat sich vor allem für Asthmatiker gezeigt. Positive Effekte konnten auch in Zusammenhang mit Rückenbeschwerden, Herzdysfunktionen und Schmerzen nachgewiesen werden. Der Buteyko Atem wird bei Schlafstörungen, Angstzuständen und Fatigue sowie zahlreichen anderen Störungsbildern angewandt. Wichtig ist hierbei, dass die Wirkung nachweislich vor allem auf dem (Tiefen-) Entspannungseffekt beruht.

Informationen „der Buteyko Atem“


Der erfahrbare Atem nach Ilse Middendorf

Geprägt von der Reformbewegung des beginnenden 20. Jahrhunderts und der Atemschule von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen, entwickelte Ilse Middendorf das Konzept des erfahrbaren Atems. Anders als andere atemtherapeutische Ansätze soll nach Middendorf der Atem bewusst erfahren werden, ohne vom Willen oder Denken gesteuert zu werden. „Ich lasse meinen Atem kommen, ich lasse ihn gehen und warte, bis er von selber wiederkommt.“

Der Fokus liegt darauf, die gehemmte Atmung wieder in Fluss zu bringen und den natürlichen Atem zu befreien. Um diesen Fluss zu unterstützen werden leichte, fast passive Bewegungsübungen eingesetzt, immer begleitet von einer achtsamen Konzentration. So kommt es bei diesem Atemansatz zu einer passiven und gleichzeitig tiefen Atemerfahrung. Diese trägt zu innerem Wohlbefinden und einer sicheren Körperwahrnehmung bei. Der erfahrbare Atem wirkt gleichermaßen auf Körper und Geist.

Übung „der erfahrbare Atem“

 


Holotropes Atmen nach Dr. Stanislav Grof

Der tschechische Psychotherapeut und Psychiater entwickelte die Methode des holotropen Atmens in den 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit seiner Frau Christina. 

Holotropes Atmen zählt zur Transpersonalen Psychologie, welche in den 70er Jahren von Grof gemeinsam mit dem humanistischen Psychologen Abraham Maslow begründet wurde. Sie gilt, neben der Gestalttherapie, als eine Unterkategorie der Humanistischen Psychologie.

Bei holotroper Atemarbeit wird der Atem kontrolliert, in dem er bewusst beschleunigt und vertieft wird, um in tranceähnliche Bewusstseinszustände zu gelangen. Dies wird durch evokative Musik unterstützt und findet unter Anleitung statt. Ein weiteres wichtiges Werkzeug ist die fokussierte Körperarbeit um körperliche und emotionale Blockaden und Verspannungen aufzulösen und wird meist am Ende der Sitzung angewendet.

Eine holotrope Atemsitzung dauert in der Regel mindestens zwei bis drei Stunden und wird mehrheitlich in Gruppensitzungen aber auch in Einzelsitzungen angeboten.  Ziel des holotropen Atmens ist es, unbewusste Anteile seines Selbst zu erfahren und zu integrieren, um so Heilung zu erfahren und sich zur persönlichen Ganzheit hinzubewegen (Holos). Sie wird, im Gegensatz zu anderen psychotherapeutischen Methoden, von keinem bestimmten "Thema" geleitet.

Informationen zum holotropen Atmen


Integrative Atemtherapie

Die integrative Atemtherapie ist eine vielseitige Methode, Bewusstseinsprozesse und Blockaden über den Atem für den Klienten spürbar zu machen und sein Leid zu lindern. Hierbei verwendet die integrative Atemtherapie unterschiedliche Atemmuster sowie therapeutische und beratende Methoden.
Atem, Körper und Psyche sind eng miteinander verbunden, so dass die Lösung von Atemblockaden als wichtiger Schritt im psychischen Heilungsprozess gilt. Über die bewusste Anleitung des Atemmusters ist es möglich, tiefer liegende Themen ins Bewusstsein zu holen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und zu integrieren. Dies gibt dem Klienten die Freiheit, sich bewusst für einen Umgang mit diesen Themen zu entscheiden.
Die Integrative Atemtherapie findet Anwendung bei diversen psychischen und psychosomatischen Störungsbildern. Ebenfalls eignet sie sich sehr gut als Methode für Selbsterfahrung und persönliche Weiterentwicklung.


 

Interaktives Atmen nach Tilke Platteel-Deur

Das interaktive Atmen ist eine Methode im Rahmen der integrativen Atemarbeit. Interaktion findet in jeder geleiteten Atemsitzung statt. Allerdings ist der verbale Austausch im Regelfall sehr eingeschränkt. Bei der Form der interaktiven Atemsitzung wird dem verbalen Austausch mehr Raum gegeben.

Methode: Der Klient wird auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, dass er während des Atmens angesprochen wird und dass er, nach seiner inneren Gestimmtheit, darauf reagieren kann oder nicht. 

Zunächst wird eine vertiefte Atmung angeleitet und eventuell mit Musik unterstützt. Nach zehn bis zwanzig Minuten, wenn der Eindruck besteht, dass der Energiefluss der Atmung hergestellt ist und der Klient mit seiner Aufmerksamkeit nach innen geht, kann der Therapeut behutsam beginnen Fragen an den Klienten zu stellen, die seine Empfindungen und Gefühle betreffen. Es ist wichtig, dem Klienten viel Zeit zu lassen, damit er nicht abrupt seine Atmung unterbricht, sondern aus dem Atemfluss heraus sprechen kann.
Bilderwelten: Die verbalen Interventionen bieten die Möglichkeit, die Empfindungsqualitäten genauer zu erforschen, zu verfeinern und zu erweitern. Der Klient wird beispielsweise gefragt, was er im Moment spürt, wie diese Empfindung körperlich spürbar ist und was sich verändert, wenn er genauer hin spürt. Daraus kann sich eine innere Körperreise oder seelische Bilderwelten entwickeln, die therapeutisch nutzbar sind. 

Das Besondere daran: Der Kontakt mit dem Atem wird dabei immer beibehalten und somit der Zugang zur Gefühlswelt.

Übung zum verbundenen Atem


Kohärentes Atmen nach Dr. Stephen Elliott und Dr. Wilfried Ehrmann

Das kohärente Atmen wurde aus dem Bestreben entwickelt, über die Atmung zu einem optimalen Zusammenspiel des Nervensystems mit den wichtigsten Körperfunktionen zu gelangen. Mit der richtigen Atemfrequenz im regelmäßigen Rhythmus und entspannter Ausatmung verbessert sich nachhaltig und messbar die Herzschlagvariabilität. Eine gute Variabilität beruht auf einem starken Parasympathikus.

Durch diese spezifische Atmung wird die Daueranspannung des sympathischen Zweiges des Zentralen Nervensystems (Kampf/Fluchtreflex) abgeschaltet und der parasympathische Zweig angeregt und aktiviert. Dies wirkt sich ausgleichend auf Blutdruck, Verdauung, Herzrhythmus und innere Balance aus.

Kohärentes Atmen hat sich als unterstützende Übungsform für verschiedene Arten von psychischen Störungen sowie in der Traumaheilung bewährt. Es hilft zudem effektiv bei Schlafstörungen, Panikanfällen und Angstzuständen. Sportler nutzen das kohärente Atmen, um ihre Ausdauerleistungen zu verbessern, und während der Meditation kommt man mit dieser Methode schneller in den Zustand des inneren Friedens und Gewahrseins. 

Übung zum kohärenten Atem


Pranayama – Yoga Atem

Der Begriff Prana spielt seit jeher eine große Rolle im Yoga. Die Atemübungen (Pranayama) dienen der Zusammenführung von Körper und Geist durch die Atmung. Das Prana steht für die Lebensenergie, Ayama die körperliche Dehnung und Streckung. So kann sich die Lebensenergie körperlich manifestieren. 

Pranayama ist einer der ältesten atemtherapeutischen Ansätze. Bewusst angewandte Techniken ersetzen durch wiederholtes Üben die unbewussten Atemmuster. Einatmen, ausatmen und Atempausen werden in ein bestimmtes Verhältnis zueinander gebracht. Je nach Übung bestimmt sich der Fokus, zum Beispiel hin zu innerer Reinigung, mentaler Klarheit, Aktivierung des Immunsystems, gesteigerter Aktivität des Parasympathikus.

Pranayama Übungen erzeugen ein Gefühl von Wachheit, Energetisierung und innerer Balance. Regelmäßige Praxis kann eine tiefgehende Transformation des Bewusstseins und eine zunehmende Sensibilisierung für feinstoffliche Lebensaktivitäten bewirken (vgl. Patanjali - Yoga Sutras).

Geistige Klarheit und Wachheit mit der Kapalabhati Feueratmung – hier (Die Übung kann über Weiterleitung auf die Folgeseite aufgerufen werden)

Inneres Gleichgewicht mit der Wechselatmung – hier (Die Übung kann über Weiterleitung auf die Folgeseite aufgerufen werden)

Klarheit, Fokus und Ausgeglichenheit mit der Quadratatmung


 

Rebirthing nach Leonard Orr

Rebirthing wurde Anfang der siebziger Jahre von Leonard Orr in den USA entwickelt. Die Methode basiert auf dem verbundenen bewussten Atmen, dem freifließenden Atmen ohne Pausen zwischen Ein-und Ausatmung. Der Fokus liegt auf der Nasenatmung, wobei Rebirthing eine Jahrtausende alte Praktik des Kriya-Yoga aufnimmt.

Ziel dieser Methode ist es, seinen ursprünglichen, natürlichen Atemrhythmus wieder zu entdecken und durch das Lösen von Blockaden zu befreien, welche durch unbewältigte embryonale und/oder Geburtserfahrungen sowie frühkindliche oder andere traumatische Erlebnisse entstanden sind. Ein zusätzlicher Fokus ist, zu lernen nicht nur Luft zu atmen, sondern die darin enthaltene Energie aufzunehmen.

Eine weitere internationale Pionierin von Rebirthing ist Sondra Ray.

Übung 20 verbundene Atemzüge

 


Atem. Bewusstsein. Achtsamkeit.