Auf dieser Seite findest Du einen Überblick über verschiedene Atemschulen und -traditionen.

Integrative Atemtherapie

Die Integrative Atemtherapie verbindet unterschiedliche Atemmethoden, um den Atemfluss bewusst zu beeinflussen und so eine psychotherapeutische Wirkung zu erzielen. Dabei können weitere therapeutische Methoden zum Einsatz kommen.

Da Atem, Körper und Psyche eng zusammenhängen, gilt die Befreiung von Atemblockaden als wichtiger Schritt im psychischen Heilungsprozess der Klienten.

Über eine Veränderung des Atemmusters ist es möglich, tiefer liegende Themen auf körperlicher und emotionaler Ebene wieder ins Bewusstsein zu holen. Verdrängte oder bisher zurückgehaltene Gefühle tauchen auf und können jetzt – im geschützten Rahmen – ihren individuellen Ausdruck finden und damit integriert werden. 

Das veränderte Atemmuster ermöglicht eine neue innere Freiheit und hilft Klienten einen bewussteren und liebevolleren Zugang zu sich selbst, sowohl zu ihrem Körper und ihren Gefühlen zu finden, als auch ein Eingebundensein in ein größeres Ganzes zu erleben.

Die Integrative Atemtherapie findet Anwendung bei verschiedenen psychischen und psychosomatischen Störungsbildern. Ebenfalls eignet sie sich sehr gut als Methode für Selbsterfahrung und persönliche Weiterentwicklung. 


Holotropes Atmen 

nach Dr. Stanislav Grof, tschechischer Psychotherapeut und Psychiater

Das Holotrope Atmen wurde in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von Dr. Stanislav Grof zusammen mit seiner Frau Christina Grof entwickelt.

Holotrop bedeutet: Sich zur Ganzheit hinbewegend. Grof meinte damit auch, dass „wir in unserem alltäglichen Bewusstseinszustand nicht wirklich ganz sind; wir sind fragmentiert und identifizieren uns nur mit einem kleinen Bruchteil dessen, was wir in Wahrheit sind.“

Eine holotrope Atemsitzung dauert in der Regel mindestens zwei bis drei Stunden. Sie wird, im Gegensatz zu anderen psychotherapeutischen Methoden, von keinem bestimmten „Thema“ geleitet. Wichtig ist das Loslassen von jeglichen Erwartungen und Konzepten am Beginn der Sitzung. Grof spricht von einem inneren Radarsystem, das eine automatische Selektion des relevantesten und emotional aufgeladensten Materials aus dem Unbewussten vornimmt und an die Oberfläche bringt.

Holotropes Atmen wird vor allem in Gruppen, aber auch in Einzelsitzungen angeboten und setzt thematisch akzentuierte und eindringliche Musik als wichtiges Mittel zur Selbsterforschung ein.

Holotropes Atmen zählt zur Transpersonalen Psychologie. Dr. Stanislav Grof forschte in den 70er Jahren gemeinsam mit dem humanistischen Psychologen Abraham Maslow. So entstand aus der gemeinsamen Forschungsarbeit der Begriff der Transpersonalen Psychologie. Sie gilt, neben der Gestalttherapie, als eine Unterkategorie der Humanistischen Psychologie. 


Transformational Breathing

nach Dr. Judith Kravitz, USA

Das Ziel beim Transformational Breathing ist, seine ganze Atemkapazität nutzen zu lernen und somit den Körper mit dem Optimum an Sauerstoff zu versorgen. Emotionale und mentale Blockaden können auf Zellebene gelöst und der Behandelte mit der eigenen Spiritualität in Kontakt kommen. Hauptmerkmale des Transformational Breathings sind das intensive Coaching und Betreuen sowie das ‚Bodymapping‘, das Triggern spezieller Akupressurpunkte, um das Lösen emotionaler Blockaden zu forcieren.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass es sich nicht um eine Atemtechnik ausschließlich für Therapiesitzungen handelt, sondern den Körper in anatomisch korrekten, sprich offenen und natürlichen Atmen trainiert, was 24 Stunden am Tag praktiziert werden kann.


Der erfahrbare Atem

nach Ilse Middendorf, Atempädagogin, Berlin

Diese Atemschule nähert sich dem Atem über eine tiefe innere Entspannung, die Einladung des Atems zum Fließen und die Aktivierung des Bewusstseins im Hier und Jetzt. Es wird bevorzugt ein gewährender Atem eingesetzt, der unbeeinflusst im Körper ein- und ausströmt. Um diesen Fluss zu unterstützen werden leichte, fast passive Bewegungsübungen eingesetzt, immer begleitet von einer achtsamen Konzentration.

So kommt es bei diesem Atemansatz zu einer passiven und gleichzeitig tiefen Atemerfahrung. Diese trägt zu innerem Wohlbefinden und einer sicheren Körperwahrnehmung bei. Der erfahrbare Atem wirkt gleichermaßen auf Körper und Geist.


Reflektorische Atemtherapie

nach Dr. med. Johannes Ludwig Schmitt, München

Diese Atemschule arbeitet mit einem eher physiologischen Ansatz: Mittels heißer Tücher wird ein Atemreiz gesetzt, der sich auf die Atembewegung auswirkt. Durchblutung und Stoffwechsel werden angeregt und durch die Wärme, der muskuläre Tonus des Rumpfes reguliert und vorhandenes Sekret in den Lungen gelöst.

Dem Behandler steht eine Vielzahl von Techniken zur Verfügung, die je nach Reaktion des Behandelten situativ am ganzen Körper eingesetzt werden. Durch sie werden Bindegewebe, Faszien, Haut und Gelenke mobilisiert und die Muskulatur quer und längs gedehnt.

Die Auswahl der Werkzeuge und Vorgehensweisen orientiert sich an den anatomischen Gegebenheiten und den Veränderungen im Atemablauf des Behandelten. Der Atemverlauf ist ähnlich dem integrativen Atmen: Ein aktiver Einatem, der die Dehnung der Faszien unterstützt und ein passiver Ausatem, der die Vertiefung der Entspannung und äußeren Behandlung unterstützt.


Pranayama

Yoga Atem

Aus der Yoga-Tradition kommen viele Atemtechniken, die der Meditation und Kontemplation des Menschen dienen. Die meisten werden unter dem Begriff Pranayama zusammengefasst.

  • Prana steht für Lebensenergie
  • Ayama steht für strecken, ausdehnen, verlängern
  • Pranayama steht für: Die Kontrolle und Ausdehnung von vitaler Energie im Körper

Pranayama ist einer der ältesten atemtherapeutischen Ansätze. Die Ursprünge gehen bis auf die Upanishaden zurück, einer Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus.

Atem. Bewusstsein. Achtsamkeit.