Was passiert beim Atmen physiologisch?

Der physiologische Atemvorgang findet überwiegend in der menschlichen Brusthöhle statt: Flankiert von den seitlichen Zwischenrippen- und Interkostalmuskeln des Brustkorbes, schließt die gewölbte und flexible Muskel-Sehnen-Platte des Zwerchfells diesen Raum nach unten hin zu den inneren Organen ab. Innerhalb dieses Raumes liegen das Herz und die beiden Lungenflügel, der rechte ist in drei und der linke ist in zwei Lappen eingeteilt. 

In den jeweiligen Lungenflügeln befinden sich die Bronchien, die sich zu immer kleiner werdenden Ästchen verzweigen, den sogenannten Bronchiolen, die sich wiederum in rund 400 Millionen Lungenbläschen oder Alveolen aufteilen. Sie sorgen auf einer Oberfläche von fast 100 qm für den lebenswichtigen Austausch zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid. Hierbei gelangt frischer Sauerstoff in den Blutkreislauf und wird von den roten Blutkörperchen durch den gesamten Organismus transportiert, während gasförmige Abfallprodukte wie beispielsweise Kohlendioxid über das Blut in die Lunge gelangen und von dort ausgeatmet werden.

Die Einatemluft enthält ca. 20% Sauerstoff und 0,03% Kohlendioxyd; der Rest ist Stickstoff. Die Ausatemluft enthält 16% Sauerstoff, 4% Kohlendioxid und ist mit Wasserdampf gesättigt, der durch Stoffwechselvorgänge entsteht.

Wenn wir einatmen senkt sich das Zwerchfell nach unten, wodurch die inneren Organe im Bauch massiert werden. Gleichzeitig wird im Brustraum Platz geschaffen: Hier dehnen sich die Zwischenrippenmuskeln und heben die Rippen an, das Brustbein bewegt sich nach oben. Durch diese komplexe Bewegung entsteht ein Unterdruck in der Lunge. Die elastischen Lungenflügeln entfalten sich und nehmen die Einatemluft passiv in diesem Vakuum auf.

Beim Ausatmen erschlafft die Zwischenrippenmuskulatur und das Brustbein senkt sich nach unten. Das Zwerchfell gibt nach und zieht sich wieder nach oben zusammen. Dabei wölbt es sich wie eine lebendige Kirchenkuppel von den Rändern des Rippenbogens nach innen in den Brustraum, sodass die Luft passiv aus den Lungenflügeln gedrückt wird. 

Die Funktion des Atmens läuft grundsätzlich automatisch ab und wird vom autonomen Nervensystem geregelt. Trotzdem können wir bewusst Einfluss auf Volumen und Frequenz der Atmung nehmen.

Die Funktion des Atmens läuft grundsätzlich automatisch ab und wird vom autonomen Nervensystem geregelt. Trotzdem können wir bewusst Einfluss auf Volumen und Frequenz der Atmung nehmen. Dadurch entsteht eine Verbindung des Atems zum Bewusstsein.

Atem Pusteblume

Atmen bewegt

  • Vertiefe Deine Atmung ganz bewusst und verfolge die Bewegung des Atems mit Deinen Händen.
  • Starte am Brustkorb, beobachte was sich bewegt. Lege Deine Hände ruhig auch mal seitlich an Deine Rippenbögen.
  • Wie bewegt sich Dein Bauch unter Deinen Händen?
  • Was macht Dein Beckenboden? Hier ist der Atem ebenfalls ganz fein spürbar.

Über die einfache Erkundung Deiner Atemräume kannst Du immer wieder zurück ins Hier und Jetzt kommen und Deinen Körper bewusst wahrnehmen.